Station 5

Schlossplatz

Der öffentliche Raum ist ein fester Bestandteil unseres alltäglichen Lebens. Vor allem der Schlossplatz wird vom Weg zur Arbeit, über einen Treffpunkt mit Freunden, bis hin zum Abendessen ununterbrochen bespielt. Wir bieten Dir eine neue Perspektive auf den öffentlichen Raum und das Leben, das sich darin abspielt. Suche Dir einen Platz, an dem Du die Königsstraße gut überblicken kannst und drücke auf PLAY.

Gedankenspiel

Im Folgenden hast du die Möglichkeit auditiv in verschiedene Köpfe der Passantinnen und Passanten zu blicken.
Das Gedankenspiel wurde entwickelt von LOKSTOFF! Theater im öffentlichen Raum.
Interview
Das folgende Interview wurde mit Alexa Steinbrenner, der künstlerischen Leitung von LOKSTOFF! Theater im öffentlichen Raum geführt.

Was bedeutet für dich der öffentliche Raum? Wo beginnt und endet er?

Für mich persönlich beginnt der öffentliche Raum in dem Moment, wenn ich das Haus verlasse und dort endet er auch erst wieder. Sobald ich nicht in meinem privaten Zuhause bin, befinde ich mich, meiner Auffassung nach, in unterschiedlichen Formen des öffentlichen Raums.

Ihr seid eines der ersten Theater, die im öffentlichen Raum gespielt haben und eines der wenigen Theater, die ausschließlich im öffentlichen Raum spielen. Warum habt ihr euch gerade für den öffentlichen Raum als Spielort entschieden?

Wir kommen alle vom klassischen Theater, daher hat es uns gereizt, den geschützten Guckkasten der Theaterbühne zu verlassen. Besonders spannend im öffentlichen Raum ist natürlich, dass die Umgebung mit der Inszenierung verschwimmt. Kein Abend ist somit der Gleiche. Es passieren immer unvorhersehbare und ungeplante Dinge.
Politisch oder gesellschaftlich gesehen geht es uns darum, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, was der öffentliche Raum für ein funktionierendes Gemeinwesen (Synonym: Gesellschaft) bedeutet. Ein Ort, an dem ein Stück von uns stattgefunden hat, wird danach von den Zuschauer*innen ganz anders wahrgenommen und somit steigt automatisch die Aufmerksamkeit für den öffentlichen Raum.

Wie entwickelt ihr eure Stücke?

Früher haben wir ein schon bestehendes Stück genommen und uns überlegt, an welchem Ort das Stück spielen muss. So haben wir dann z.B. Hamlet am Bahnhof gespielt. Ab 2007 haben wir angefangen, unsere Stücke selbst zu schreiben. Entweder haben wir eine konkrete Idee, was wir thematisieren wollen und finden dann schnell heraus, an welchem Ort diese Thematik umgesetzt werden soll. Oder wir wollen einen konkreten Ort in den Fokus stellen und überlegen uns dann, was wir inhaltlich an diesem Ort erzählen wollen. Der öffentliche Raum ist also immer im Zentrum unserer Inszenierungen.

Wenn ihr euch auf einen Ort und eine Thematik festgelegt habt, wie geht es dann weiter?

Unser Team ist sehr unterschiedlich. Manche haben direkt Bilder im Kopf, wie die Inszenierung aussehen muss. Andere haben eher ein gutes Gespür dafür, welche Inhalte sich gut für das Theater eignen. Und wieder andere entwickeln einen politischen und philosophischen Unterbau für unsere Stücke. So ergänzen wir uns gegenseitig und entwickeln zusammen das Stück. Wenn das Konzept dann steht, erarbeiten wir die notwendigen Figuren und ihre Texte im Probenprozess. Am Anfang proben wir noch im Probenraum. Uns ist es aber wichtig, möglichst schnell den Probenraum zu verlassen, denn nur vor Ort sehen wir, ob etwas funktioniert oder nicht. Gegebenenfalls ändern wir dann natürlich auch noch Einiges. Die Endproben sind auf jeden Fall immer vor Ort und mit Zuschauer*innen, denn auch die Reaktion der Zuschauer*innen und Passant*innen hat Einfluss auf die Inszenierung. Trotz aller Proben muss man sich aber darauf einlassen, dass jeder Abend anders ist.

Gibt es eine konkrete Situation, in der etwas ganz anders lief als geplant?

Jede Menge und genau das macht für uns auch die Besonderheit und den Reiz am öffentlichen Raum aus. Eine besonders witzige Situation ist im Stück „Taxi Odyssee“ passiert, in dem wir mit Großraum-Taxis durch Stuttgart gefahren sind. Die Taxi-Passagiere waren dabei unsere Zuschauer*innen. Eine Kollegin von mir spielte, dass sie zwar keinen Führerschein habe, aber hier nun als Taxi Chauffeurin eingeteilt worden wäre. Mitten im Stück wurde sie dann von der Polizei angehalten – also in der Realität. Einige Zuschauer*innen im Auto haben gelacht und der Polizei gesagt, die Fahrerin habe keinen Führerschein, andere haben regelrecht die Luft angehalten, weil sie überzeugt waren, dass es jetzt Schwierigkeiten geben würde. Meine Kollegin hat versucht, auch vor den Polizist*innen in ihrer Figur zu bleiben, um die Illusion für die Zuschauer*innen nicht zu zerstören. Zum Glück wollte die Polizei nur einen Alkoholtest machen und gar keinen Führerschein sehen. So konnte sie ihre Rolle weiterhin aufrechterhalten. Das Beispiel zeigt auch ganz schön, wie die Zuschauer*innen vieles für bare Münze halten, wenn es im öffentlichen Raum passiert. Gerade, um diese konstruierte Realität zu bewahren, versuchen wir, wirklich nur im Notfall aus der Rolle zu steigen.

Denkst Du, die Sichtweise eurer Zuschauer*innen auf den öffentlichen Raum ändert sich durch eure Inszenierungen?


Wir erhoffen uns natürlich einen solchen Perspektivwechsel. Sicher können wir diesen jedoch nicht bei allen Zuschauer*innen erreichen, aber wir bekommen viel Rückmeldung von Zuschauer*innen, dass sie an den Orten, an den wir gespielt haben, immer an unsere Inszenierung bzw. die Thematik der Inszenierung denken. Es hat sich insofern etwas an ihrer Sichtweise auf den konkreten Ort verändert. Außerdem bekommen wir Vorschläge von Zuschauer*innen, die sagen: „Dort müsst ihr unbedingt ein Stück über diese Thematik machen.“ Daran sieht man, dass sich auch die allgemeine Wahrnehmung mancher Zuschauer*innen für den öffentlichen Raum verändert. Und genau das ist unser Ziel, dass unser Publikum den öffentlichen Raum durch unsere Inszenierungen bewusster wahrnimmt

Fun Fact

Welche dieser Spielregeln für Straßenmusiker*innen in Stuttgart stimmen nicht:

Wegbegleiter

Siehst Du den Starbucks auf Deiner linken Seite? Laufe an diesem rechts vorbei durch die Königsbaupassagen. Am Ende des Durchgangs siehst Du schon unsere nächste Station: Das Theater Komödie im Marquardt. Auf Deinem Weg kannst Du Dir die Bilder Collage anschauen.

Teilt gerne mit uns Fotos, Gedanken und vieles weiteres von der KulTour. Wir freuen uns über euer Feedback!