Station 2

Staatsgalerie und Kammertheater

Willkommen an der Neuen Staatsgalerie UND Willkommen am Kammertheater. In den Jahren 1979-1984 erbaute der Architekt James Stirling ein Gebäude, in welchem zwei große Institutionen unterkamen. Vor Dir kannst Du das Kammertheater sehen, eine Nebenspielstätte der Staatstheater Stuttgart. Durch den Tunnel direkt vor Dir, kannst Du die Neue Staatsgalerie sehen, ein Erweiterungsbau der Alten Staatsgalerie Stuttgart.

Hier treffen also Darstellende Künste auf Bildende Künste. Lass’ Dir hier spannende Fakten zu James Stirling und der Staatsgalerie erzählen. Danach kannst Du lesen, was die FSJler*innen von ihrem Alltag als Mitarbeiter*innen der Staatsgalerie berichten. Anschließend nehmen wir Dich mit hinter die Kulissen des Kammertheaters. Viel Spaß!

Fun Fact

Stirling erreichte in seinem Leben – neben einer Karriere als Architekt - noch mehr:
Architektur
Staatsgalerie
„Museum klingt für viele total langweilig” sagt Maja. Dennoch hat sie sich für ein FSJ in einem Museum entschieden. Maja und Justin, beide FSJler*innen der Staatsgalerie Stuttgart, haben uns ein paar Fragen zu ihrer Arbeit in der Staatsgalerie beantwortet. Und zeigen uns weshalb Museen eben nicht langweilig sind.

Was passiert, wenn ein*e Künstler*in auf Kunst trifft, die nicht die seine ist? Das kann man sich in dem Format „Kunst trifft Kunst“ der Staatsgalerie anschauen. Mit kleinen Filmen wird festgehalten, wie die Tänzer*innen, Musiker*innen oder Schauspieler*innen auf ausgewählte Ausstellungsstücke treffen und was das Zusammentreffen neu entstehen lässt. Was nehmt ihr bei solchen Exkursen in andere Kunstwelten mit?

Maja: Das Format „Kunst trifft Kunst“ finde ich extrem spannend. Da mindestens zwei komplett unterschiedliche Kunstformen aufeinandertreffen, entstehen immer neue, einzigartige Ergebnisse. Von neuen Interpretationen, die beispielsweise tanzend dargestellt werden, bis hin zum freien Weiterdenken des Kunstwerks, ist alles dabei. Mich fasziniert die Reihe deswegen so sehr, da jedes Zusammentreffen zeigt, dass jede Kunstform ihre eigene Ausdrucksweise hat und trotz der augenscheinlichen Differenzen verschiedenste Kunstformen zur bildenden Kunst eine Verbindung aufweisen. Außerdem lädt das Format dazu ein, länger vor einzelnen Werken zu verweilen, da man sonst viele Details übersieht, auf die man in der Videoreihe wiederum aufmerksam gemacht wird.

Justin: Bei dem Format "Kunst trifft Kunst" fällt mir besonders auf, dass sich eine Verbindung bildet, wenn ein künstlerisches Werk von einem anderen Künstler oder einer anderen Künstlerin neu interpretiert wird. Dabei zeigt sich, dass in beiden Werken eine gleiche Essenz vorzufinden ist, wobei diese bei jedem Konnex variiert. So hat ein Werk nicht nur eine Essenz, sondern mehrere und es ist offensichtlich, dass nicht alle Essenzen den Betrachter*innen gleich intensiv vermittelt werden. Welche Essenzen auf die Betrachter*innen wirken, ist auch mitunter von diesen abhängig.
Dieses Wissen lässt sich aber auch außerhalb der Kunst anwenden, weshalb ich es wichtig finde, sich bewusst zu machen, dass ein Perspektivwechsel auch in anderen Bereichen eine wichtige Funktion erfüllt. Dabei kann dieser zwei unterschiedliche Formen annehmen:
Entweder kann er wie in dem gegebenen Kontext bei "Kunst trifft Kunst" dazu dienen, aus der interpretierten Essenz etwas Neues zu kreieren. Exemplarisch dafür ist das "sich inspirieren lassen". Oder der Perspektivwechsel kann dazu dienen, zwei verschiedene Perspektiven zu einem gemeinsamen Konsens zu führen. Beispiele dafür sind in der Wirtschaft oder zwischenmenschlichen Interaktion zu finden.

Nun habt ihr eine Institution als Arbeitsplatz ausgewählt, welche man normalerweise in der Freizeit besucht. Aber ganz persönlich gefragt: Was macht für euch den privaten Besuch der Staatsgalerie besonders attraktiv?

Maja: Das Wort „Museum“ klingt für viele total langweilig. Sollte es aber nicht! An der Staatsgalerie ist besonders reizvoll, dass es Kunst aus vielen Jahrhunderten und Epochen zu bestaunen gibt. Man kann von alten Malereien aus dem Mittelalter bis hin zu zeitgenössischer Kunst alles vorfinden, was ich persönlich total interessant finde. Außerdem ist der Kontrast zwischen alter und neuer Staatsgalerie, meiner Meinung nach, einzigartig und ist mir tatsächlich schon als Kind aufgefallen. Somit gibt es auch für alle Architektur-Fans etwas zu sehen, denn James Stirlings „Neue Staatsgalerie“ ist sowohl von innen, als auch von außen wirklich besonders!

Justin: Mich überzeugt besonders das breite Spektrum an unterschiedlichen Materialien und Methoden der Werke sowie ein bemerkenswertes Spektrum an Epochen. Durch diese Varianz empfinde ich den Besuch als abwechslungsreich und nehme mir für jedes Werk so viel Zeit, wie ich benötige. Außerdem ist für mich auch die geografische Lage ausschlaggebend.

Zum Schluss noch eine kurze Frage: Vor welchem Ausstellungsstück bleibt ihr am längsten stehen?

Maja: Schwierige Frage. Mich faszinieren viele verschiedene Werke, aber besonders spannend finde ich Gemälde, die von weitem betrachtet total detailliert erscheinen, aber wo man aus der Nähe erkennen kann, dass lediglich mit groben Pinselstrichen gearbeitet wurde. Das ist beispielsweise im Impressionismus so. Ganz bekannt sind da ja unter anderem Werke von Monet oder Renoir, aber es gibt auch Werke von deutschen Künstlern. Ein Beispiel, das ich sehr mag, ist das Bild „Karren in den Dünen“ von Max Liebermann. Es gefällt mir so gut, weil wirklich jeder Pinselstrich zur Gesamtwirkung beiträgt und das eigentlich so einfache Motive bei näherem Betrachten extrem dynamisch wirken. Ich kann mir diese Art von Gemälden ewig anschauen, weil ich es toll finde, mit welchen einfachen Mitteln Künstler*innen es schaffen, Gemälde lebendig wirken zu lassen.

Justin: Die kleinen blauen Pferde von Franz Marc.

Was man über das Kammertheater wissen sollte

Im gleichen Zuge mit der Neuen Staatsgalerie wurde das Kammertheater gebaut. Kammertheater ist ein gebräuchlicher Name für Kleinbühnen. “Kammer“ steht hier für Wohnraum, was die meist nicht erhöhte Bühne erklärt. Das Kammertheater, mit Platz für 420 Zuschauer*innen, wird für kleine Schauspiel- und Ballettaufführungen genutzt.

Backstage im Kammertheater

Wir wollen Dich auf einen kleinen virtuellen Rundgang durch das Kammertheater mitnehmen. Als Zuschauer*in würdest Du jetzt die Treppe hochgehen und in das Foyer des Kammertheaters treten. Aber heute bist Du der oder die Schauspieler*in. Als Darsteller*in hast Du einen anderen Eingang. Und zwar die Pforte. Bitte rechts von Dir ein Stück die Eugenstraße hoch bis Du links die Pforte sehen kannst.

Wegbegleiter

Die dritte Station führt Dich zu der John Cranko Schule.
  • Um dort hinzugelangen, laufe nun weiter den Berg hoch, biege dann nach links in die Urbanstraße und laufe weiter, bis zur nächsten Abzweigung
  • Dort gehst Du nach rechts und dann gleich wieder nach links, sodass Du auf Deiner Rechten bereits den unteren Eingang der John Cranko Schule siehst
  • Unser Ziel ist aber der Haupteingang der Schule, laufe dazu nun am Gebäude des „Zweckverbandes Landeswasserversorgung“ vorbei, die „Paul-Löbe-Staffel“ den Berg hoch. Oben angelangt, biege nach rechts ab in die Werastraße.
Während Du Dich auf den Weg machst, kannst Du Dir einmal überlegen, wie Du es finden würdest, wenn es Dein Beruf wäre nahezu täglich auf einer Bühne vor Publikum zu stehen. Würdest Du lieber Tänzer*in, Musiker*in oder Schauspieler*in sein? Und wie stellst Du Dir das Leben als Künstler*in vor?

Teilt gerne mit uns Fotos, Gedanken und vieles weiteres von der KulTour. Wir freuen uns über euer Feedback!