Klimaschutz & Nachhaltigkeit

Der Klimawandel gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Um ihm wirksam entgegenzuwirken, ist ein engagierter Klimaschutz unerlässlich. Den gesetzlichen Rahmen für die Klimaschutzpolitik des Landes setzt das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg (KSG BW). Zentrales Element des Klimaschutzgesetzes sind die Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2040. Sie geben die Richtung für die Klimapolitik des Landes vor. Um den Klimawandel auf einem beherrschbaren Maß zu halten, müssen wir die CO2-Emissionen reduzieren.

Das Land hat sich mit der Novelle des Klimaschutzgesetzes vom 12. Oktober 2021 verpflichtet, die Landesverwaltung bis zum Jahr 2030 netto-treibhausgasneutral („klimaneutral“) zu organisieren. Die zum 1. Januar 2021 gegründete Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg (KSS) ist eine Tochter der Baden-Württemberg Stiftung und begleitet das Land und seine Einrichtungen mit Projekten zur Forschung, Entwicklung und Bildung auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Bei den Staatstheatern Stuttgart stehen die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit hoch oben auf der Agenda, um den Wandel hin zu einem nachhaltigen Betrieb möglichst schnell umzusetzen.

EMAS-zertifiziert. Nachhaltigkeit, die messbar ist

Die Staatstheater Stuttgart sind seit 26. Mai 2026 EMAS-zertifiziert und verpflichten sich damit als eines der ersten Theater zu einem europaweit anerkannten Umweltmanagementsystem. Nachhaltigkeit ist bei uns kein Einzelprojekt, sondern ein dauerhaft überprüfbarer Prozess im laufenden Theaterbetrieb.

Was ist EMAS?
EMAS ist das Umweltmanagementsystem der Europäischen Union. Es sorgt dafür, dass Umweltleistungen systematisch erfasst, verbessert und regelmäßig unabhängig geprüft werden.

Was bedeutet das für uns?

  • klare Umweltziele
  • regelmäßige externe Prüfung
  • transparente Berichterstattung
  • kontinuierliche Verbesserung

Unser Anspruch
Nachhaltigkeit ist Teil unserer täglichen Arbeit. Mit EMAS machen wir diesen Prozess sichtbar, messbar und verbindlich.

Hintergrund & Details

Der Weg zur EMAS-Zertifizierung
Die EMAS-Zertifizierung markiert für die Staatstheater Stuttgart einen wichtigen Meilenstein, verbunden mit einem anspruchsvollen und intensiven Prozess über mehrere Bereiche hinweg.

Die Anforderungen des EMAS-Systems gehören zu den europaweit strengsten Standards im Umweltmanagement. Sie verlangen eine systematische Erfassung und Bewertung von Umweltwirkungen, klare Zielsetzungen sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung im laufenden Betrieb.

Dieser Weg war entsprechend mit erheblichem fachlichem und organisatorischem Aufwand verbunden und nur durch das Engagement vieler Beteiligter im Haus möglich.
Externes Audit
Die Zertifizierung basiert auf einem vier­tägigen externen Audit, bei dem sämtliche Standorte der Staatstheater Stuttgart umfassend geprüft wurden.

Dabei wurden sowohl organisatorische Abläufe als auch bestehende Maßnahmen, Strukturen und Zielsetzungen im Umweltmanagement detailliert betrachtet. Neben der Bewertung des Ist-Zustands standen auch Entwicklungspotenziale im Fokus.

Die Rückmeldungen des externen Auditors haben wertvolle Impulse geliefert, die bereits in die Weiterentwicklung des Umweltmanagements eingeflossen sind.
Umwelterklärung & Transparenz
Mit der Umwelterklärung legen die Staatstheater Stuttgart ihre Umweltziele, Maßnahmen und relevanten Kennzahlen offen.

Sie dokumentiert sowohl bereits erreichte Fortschritte als auch zukünftige Entwicklungsschritte und schafft damit Transparenz über das Umwelt- und Klimaschutzengagement des Hauses.

Gleichzeitig unterstreicht sie den Anspruch, Umwelt- und Klimaschutz dauerhaft und verbindlich in den Strukturen und Abläufen des Theaterbetriebs zu verankern und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Klimaschutz in Kultureinrichtungen
Mit dem Förderprogramm „Klimaschutz in Kultureinrichtungen“ unterstützt die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg seit Ende Oktober 2022 unter anderen Kulturinstitutionen auch die Staatstheater Stuttgart. Das Programm fördert Kulturinstitutionen in Baden-Württemberg bei der Umsetzung von Prozessen und Strukturen, um Ressourcen für eine langfristige Transformation in Richtung einer klimaneutralen Betriebsweise zu schaffen. Das Programm, das bis zum Herbst 2023 läuft, hat den Charakter einer Weiterbildungsakademie. In diesem Format werden die Kulturinstitutionen beim Aufbau von internen Kompetenzen und Aktivitäten unterstützt, um das Thema Klimaschutz zukünftig konsequent zu verfolgen. Bei den Staatstheatern tragen ein hausinterner Lenkungskreis und eine spartenübergreifende Arbeitsgruppe die Ideen in alle Bereiche des Hauses hinein.
Arno Laudel, Direktor Zentrale Technische Dienste an den Staatstheatern, ist Vorsitzender des Lenkungskreises: „Unser erstes Ziel ist es, die wesentlichsten 'CO2-Emittenten' an den Staatstheatern Stuttgart festzustellen. Das zweite Ziel ist, für diese „CO2-Emittenten“ eine jährliche Bilanz mittels regelmäßiger Messungen zu erstellen. Schon Lord Kelvin, der berühmte britische Physiker sagte: 'If you can't measure it, you can't improve it'. Auf Basis der Messungen können dann zielgerichtete Steuerungsprozesse eingeleitet werden. Auf diese Weise wollen wir dazu beitragen, das Land bis 2030 klimaneutral zu machen und in Zukunft ein klimaneutrales Theater zu werden“.
Arbeitsgruppe „Green Culture“
Die Staatstheater Stuttgart sind außerdem Mitglied der Arbeitsgruppe "Green Culture", die im November 2021 von der heutigen Kunstministerin Petra Olschowski (damals Kunststaatssekretärin) initiiert wurde. Diese Arbeitsgruppe hat binnen eines Jahres den Leitfaden „Green Culture: Klimaschutz in Landeskultureinrichtungen“ erarbeitet. Er bietet eine systematische Grundlage für eine klimafreundlichere Kulturproduktion, -präsentation und -vermittlung. Dabei werden die wichtigsten Handlungsfelder zur Verbesserung des Klimaschutzes identifiziert (Energie, Wasser, Abfall, Mobilität, betriebliches Arbeiten) und erprobte Instrumente und Maßnahmen zusammengefasst. Den Fokus legt die Arbeitsgruppe dabei bewusst auf betriebsökologische Maßnahmen, da die Kultureinrichtungen hier den größten eigenen Gestaltungsspielraum besitzen.
Betriebliche Mobilität
Im Jahr 2020 haben die Staatstheater Stuttgart eine betriebliche Mobilitätsstrategie erarbeitet und setzen diese sukzessive um. Der Fuhrpark wird von Verbrennungsantrieben auf Elektroantrieb umgestellt, zusätzliche Lasten-Pedelecs werden angeschafft, um sie für Kleintransporte einzusetzen, Dienstfahrten werden vermehrt vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr und das Fahrrad verlagert. Die Belegschaft erhält noch stärkere Anreize für die Nutzung des Jobtickets. Die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut und es sollen noch mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden.
Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführender Intendant: „Die Staatstheater Stuttgart wollen aufgrund ihrer Verortung im Herzen des Kulturquartiers, der baulichen Situation im Stadtzentrum und der verkehrlichen Realität, beispielgebend für nachhaltige Mobilität sein. Der Verband der Region Stuttgart hat mit dem Programm 'Modellregion für nachhaltige Mobilität' und dem Prinzip der Kofinanzierung ein sehr kluges, da systemisches, Instrument geschaffen. Wir freuen uns, als Partner für dieses Projekt ausgewählt worden zu sein“. Seinem Publikum bieten die Staatstheater Stuttgart in Partnerschaft mit dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) schon seit vielen Jahren Kombitickets an, in denen die An- und Abreise zu den Vorstellungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln eingeschlossen ist.
Publikumsmobilität
Eintrittskarten, print@home-Tickets und Abonnementausweise der Staatstheater Stuttgart gelten als Fahrscheine (2. Klasse) in den Verkehrsmitteln des VVS ab drei Stunden vor Vorstellungsbeginn und nach Vorstellungsende zur Rückfahrt (auch in den Nachtbussen).
Auseinandersetzung auf künstlerischer Ebene
Die künstlerischen Sparten beschäftigen sich inhaltlich intensiv mit den Themen Klimaschutz und Klimakrise, wie zum Beispiel aktuell in der Produktion forecast:ödipus – living on a damaged planet und zuvor Ökozid, WASTE! oder Ein Volksfeind am Schauspiel Stuttgart oder in Holle! an der Jungen Oper im Nord.
Das Bewusstsein für nachhaltige Kostümbilder steigt kontinuierlich – es gibt Produktionen, wo die Kostümbildner*innen schon in der Entwurfsarbeit den Anspruch verfolgen, ganz oder größtenteils aus dem Fundus zu schöpfen und ohne Kauf und Neuanfertigung auszukommen.
Mit Olivier Messiaens Saint François d’Assise lud die Staatsoper Stuttgart im Juni 2023 zu einer großen Pilgerreise quer durch Stuttgart ein. Das Regieteam um Anna-Sophie Mahler hatte sich auf die Fahnen geschrieben, ein Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit zu realisieren. Genauer wurden Bühnenbilder aus Madama Butterfly und Platée wiederverwendet und das Publikum wurde zu einer Spende von alten Hoodies aufgerufen, die zu Kostümen für die Mönche in der Oper umfunktioniert wurden (mehr Informationen zu der Aktion hier).
Die Nachhaltigkeit des Repertoirebetriebs an sich ist bei den John-Cranko-Balletten und anderen beliebten „Dauerbrennern“ sichtbar: Das Stuttgarter Ballett nutzt seit bis zu 50 Jahren die gleichen Bühnenbilder, die gegebenenfalls nur aufgearbeitet werden. Auch viele Ballettkostüme werden jahrzehntelang verwendet, ehe sie ersetzt bzw. erneuert werden.
Den 24. Juni 2023 widmeten das Schauspiel Stuttgart, das StadtPalais und die Stadt Stuttgart dem Klima und der Natur mit einem Klimaaktionstag: Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um bis 2035 ein klimaneutrales Stuttgart zu erreichen? Welche Initiativen setzen sich dafür ein? Und was kann ich als Privatperson in Sachen Nachhaltigkeit beitragen? In einem breiten Programm aus künstlerischen Angeboten sowie Informations- und Diskussionsveranstaltungen wurden diese und weitere Fragen der Stuttgarter Stadtbevölkerung nähergebracht.

Weitere Informationen zu Umweltmanagementsystem können auf Nachfrage über nachhaltigkeit@staatstheater-stuttgart.de angefragt werden.